Befragt mein Kind mich im Auftrag des Geschichtsunterrichts zum  Mauerfall im Allgemeinen und zum 09. November 1989 im Speziellen. Ist komisch, weil ich hab lange nicht dran gedacht und den Hype, den div. Medien darum derzeit veranstalten, verfolge ich absichtlich nicht. Aber nachdem mich Pauli gestern „interviewte“,  war plötzlich alles wieder da. Ich war ja damals noch Studentin und hatte mich seelisch und moralisch auf meine Fahrt nach Gotha vorbereitet. Der 09. 11. 89 war ein Donnerstag und Freitag fuhr ich los, weil wir die einzige Fachschule waren, die den 11.11. riesengroß feierten, mit Programm und allem Pipapo. Letztes Studienjahr, das konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Als allerdings Schabowski die Sensationsmeldung im Fernsehen verkündete, hab ich mich mit meiner Mutter völlig ungläubig angeschaut, niemand konnte die Reichweite dieser Worte erahnen. Mein Vater hatte Spätschicht und als er endlich nach Hause kam, wurde es eine lange Nacht. Es war damals eh eine aufregende und spannende Zeit.

Ich bin dann tatsächlich am Freitag nach Gotha gefahren, wir hatten einen tollen Fasching und sonntags haben wir uns nach einem Visum in die langen Schlangen eingereiht. Der erste Weg in den Westen führte uns dann montags nach Bebra. Ich kann mich noch daran erinnern, daß ich meine Freundin fragte, ob ihr auch diese extreme Sauberkeit auffallen würde, kein grau und alles frisch und ordentlich. So war damals mein erster Eindruck vom Westen (das Warenagebot kannte man ja aus der Werbung…) Das erste Geld haben wir dann gemeinsam für 2 roséfarbene Poloshirts ausgegeben. Und die Züge zurück waren brechend voll. Erstaunlich, was einem das Gehirn wieder zu Tage fördert, wenn man konkret darüber nachdenkt.

Vor 20 Jahren ging ich auch in eine Telefonzelle, um zu telefonieren, Telefon zu Hause gab es nicht. Und heute? Heute kann ich mit meiner Besten Scypen, mit Vidscho.Es gab auch keine Blogs, keine ordentlichen PCs, Laptops (isn das?), die Zweitakter verpesteten tatsächlich die Straßenluft. Wir schrieben Briefe und Postkarten, niemand beschwerte sich nach einem Tag im Urlaub, daß man sich noch nicht per SMS oder Anruf gemeldet hat, um zu sgaen, man sei gut angekommen. Nein, man schrieb eine Postkarte aus dem Urlaub und alles war gut. Ihr wisst ja bereits, daß ich auch heute, 20 Jahre nach dem Mauerfall noch ohne Handy auskommen kann, aber ohne PC, das ginge irgendwie gar nicht mehr.

Der 09. November 2009 wird für mich ein ganz normaler Schlamo, da werde ich eh zu müde sein, um endlos das Fernsehprogramm anzustarren. Denn machen wir uns nix vor, die, die  sich am Montag offiziell feiern werden, haben am allerwenigsten zur Historie beigetragen…..

Hab ich eigentlich schon geschrieben, daß ich glücklich bin? Nein? Ich bin glücklich!!!!!!!! Dazu haben viele Umstände und ganz viele liebe Menschen, die ich in den letzten 20 Jahren kennenlernen durfte, beigetragen.

Könnt ihr euch noch erinnern, wie ihr den 09.11.89 erlebt habt?

Advertisements